»Paolo Pellegrin im ZEITmagazin - nicht das Original sondern dessen Verbreitung
erzielt die Wirkung!«

09.01.2012 - 12.02.2012

Öffnungszeit: jeweils Sonntag von 11.00 - 18.00 Uhr

im Kunstgebäude Schlosshof Bodenburg

 

Pellegrin in Zeitmagazin Nr. 7

Während eines ganzen Jahres bot das >ZEITmagazin< dem Fotografen Paolo Pellegrin die Möglichkeit uns auf einer Doppelseite Beispiele seiner Wirklichkeitserfahrung vor Augen zu führen, die er als „Aufzeichnungen für unser kollektives Gedächtnis“ bezeichnet. Damit folgt die Zeitung einen in den 70er-Jahren formulierten Gedanken der Baseler Zeitung, die damals Künstlern die Möglichkeit bot eine ganze Seite als Kunstwerk zu gestalten. Ein im Zeitungsdruck auf billigem Papier vieltausendfach multipliziertes „Bild“ sollte Kunst sein - und war nicht einmal signiert und nummeriert?

Dafür aber wurde es gesehen! Es lag auf dem Frühstückstisch oder hing am Zeitungshalter bei Friseur, lag an jedem Kiosk aus und blieb im Zug auf dem Sitz liegen, damit es der nachsteigende Fahrgast auch zu Gesicht bekam.

Den Fotografien des in den Krisengebieten der Welt recherchierenden italienischen MAGNUM-Fotografen geht es nun ebenso und man wird zwangsläufig bei dem Gedanken daran an Marshal Mc Luhan erinnert und an seine Aussage, dass „das Medium die Botschaft“ sei, sind doch für ihn die Medien Formen der Körpererweiterung – für Pellegrin also der Fotoapparat die Erweiterung des Auges, wie übrigens für jeden anderen Menschen, der mit seinem Handy oder dem Tablet-PC eine Situation festhält.

Medien sind aber trotz ihrer in großen Stückzahlen hergestellten Mengen nicht neutral, denn sie vermitteln immer die spezifische Art sinnlicher Wahrnehmung Ihrer Benutzer – womit wir wieder bei Pellegin sind. Die Wirkung seiner Aufnahmen zeichnet sich gerade durch die Art und Weise seines Blicks auf die Wirklichkeit aus. Sehr genau erfasst er den festzuhaltenden Moment des Geschehens, sei er nun durch Gewalt diktiert oder durch die liebevolle Hinwendung. Dabei bleibt es jedoch nicht beim „Schnappschuss“ der inzwischen unzählbar die Festplatten füllt, sondern seine Fotografien sind durch kompositorische Eleganz gekennzeichnet.

Dass diese Fotografien auch im Magazinformat ihre Wirkung nicht verfehlen, haben ein ganzes Jahr lang die Abbildungen im ZEITmagazin gezeigt. Und da die meisten Magazine inzwischen den Weg in die Papiercontainer angetreten haben und die Bilder ja immer nur als Einzelwerke betrachtet werden konnten, zeigt der Kunstverein alle Hefte in einer Ausstellung, die am 09. Januar 2012 im Kunstgebäude im Schlosshof Bodenburg eröffnet wird.

Hans-Werner Kalkmann